Das verflixte DREIZEHNTE


DAS VERFLIXTE DREIZEHNTE

2019 war und ist noch mein dreizehntes Jahr in der Selbständigkeit und ein Jahr, indem mir vieles bewußt wurde.

Die Friseurbranche brodelt. Ich bin in vielen sozialen Netzwerken unterwegs - lese Statements von großen Friseurunternehmern mit einem TopAusbildungssystem und vielen Mitarbeitern und auch von EPS'lern  (EinzelPersonSalons).  Beide Seiten haben ihre Vorzüge.

Meine Zielsetzung  vor 13 Jahren war,  einen TopSalon mit einem TopAusbildungssystem und TopMitarbeitern auf dem Land zu schaffen.

Ich startete mit einem Handbuch - wie gewisse Abläufe im Salon durchzuführen sind,  über unsere Kundenbetreuung und Dienstleistungen,.... etc. einfach ALLES habe ich schriftlich festgehalten.
Ich war jung, ich war motiviert und durch meine vielen SalonErfahrungen in London und Neuseeland wollte ich alle Ideen zusammenpacken und was Tolles erschaffen.
Wie gesagt, ich war jung, motiviert, nur noch nicht so schlau wie ich jetzt bin.

Meine Preise waren knapp kalkuliert, denn ich wollte die Kundschaft von dem Salon, den ich übernommen hatte, nicht gleich verlieren, bot aber viel mehr Service und bessere Qualität an. Ich denke dem ein oder anderen hat das Neue gefallen, den ein oder anderen Wunsch konnte ich dann doch nicht erfüllen, da mein Frisierstil nicht so ländlich war, wie hier gewünscht oder meine kleinen Preise dann doch zu hoch waren.

Ich suchte Mitarbeiter.

Ich dachte, Mensch, ich bin sooo toll, die wollen doch alle bei mir in meinem schönen Salon auf dem Land arbeiten.

Blauäugig, wie ich nun mal war (und auch wirklich bin, aber nicht mehr in diesem Sinn...) stellte ich, was sich an Mitarbeiter bewarb, ein.
Ich fand es waren alles tolle Menschen... Zuverlässige, Talentierte, bunte Vögel, Hübsche, Lustige,... alles Menschen mit tollen Eigenschaften, aber natürlich auch mit persönlichen Schwächen.
Ich weiss, dass JEDER Mensch persönliche Schwächen hat -  mich eingeschlossen!
Und hier begann  die große Aufgabe für mich - mit der Führung der Menschen und sich dabei selbst unter Kontrolle zu haben.

Es ist einfach einen tollen Salon zu designen (besonders wenn man einen traumhaften Ehemann mit Geschmack hat), es ist einfach einen Ablauf zu planen, es ist einfach Kunden zu werben ( besonders wenn man so eine tolle GrafikDesignerin als beste Freundin hat) und es ist kein Problem selbst viele Kunden zu bedienen, weil man Spaß dabei hat und liebt was man tut.

Aber ich unterlag der falschen der Meinung, dass man einfach mit seiner eigenen Einstellung, Motivation und Denken alle Mitarbeiter mitziehen kann.
Ich wollte, dass wir alle an einem Strang ziehen, damit man endlich Großes erreichen kann und den Erfolg teilt.
Erstens kommt der große Erfolg nicht ganz so schnell, man muss langfristig & dauerhaft zusammenziehen. Von heute auf morgen geht das nicht und nachlassen ist wieder ein Schritt zurück und der Erfolg verzögert sich.
Auch musste ich feststellen, dass meine  Mitarbeiter den Erfolg anders definieren.
Für sie stehen ander Dinge im Vordergrund, was auch völlig nachvollziehbar und in Ordnung ist. Wenn ich zurückdenke, war ich in meinen Angestelltenzeiten auch nicht anders, wollte möglichst viel Freizeit, wenig Druck und genügend Knete für Party und Klamotten. Ja, so war ich auch.

Was ich aber in meiner "Saloninhaber mit Mitarbeiter"  Zeit  nicht berücksichtigt habe, man muss führen können und klare Regeln aufstellen und diese auch selbst einhalten.
Ich denke, ich spreche da auch für andere Saloninhaber, dass man für den ein oder anderen Mitarbeiter mehr Sympathie entwickelt. Man fördert, man möchte viel Zeit mit diesen verbringen, man versucht Vieles zu ermöglichen.... weil für uns "emotionale" Saloninhaber, die nach dem Motto  "hey wir haben uns alle lieb"  leben, ist der eigene Salon eine kleine Familie. Man lässt zuviel durchgehen,  aus Angst vor Konfrontation und Missstimmung.
DA GEHT DER SCHUSS NACH HINTEN LOS und das Problem fängt an.
Mitarbeiterführung.
Sympathie und Antipathie,  Gerecht und Ungerecht, Unverständnis und Missverständniss.

Ich hatte unter anderen oft ein Unverständnis, daß meine Mitarbeiter nicht so dachten wie ich.

Dadurch entstand Frustration beiderseits. Für mich war vieles logisch, was es aber für andere nicht war oder ich habe Dinge nicht richtig erklären können.
Es entstanden Missverständnisse, da ich mich als Saloninhaber & führende Person emotional auch nicht immer unter Kontrolle hatte. Irgendwann wurde die eigene Frustration zu groß, dass ich keinen klaren Kopf mehr hatte.
Die Menschen, die mir besonders am Herzen lagen, für die ich dachte, alles Wissen gegeben zu haben, waren am schnellsten wieder weg.
Aber von Wissen können sich die Menschen nichts kaufen - kurzfristig gedacht. Das große Geld konnte bei mir leider noch nicht fließen, dafür musste dann auch etwas zurückgegeben werden, indem man das Wissen anwendet, fortführt  und aufbaut.
Was flossen meine Tränen vor Enttäuschung und dann auch Wut. Ich fühlte Ungerechtigkeit mir gegenüber - aber die anderen fühlten die gleiche Ungerechtigkeit, allerdings für sich selbst.

Es ist nicht einfach einen Salon aufzubauen. Man steckt soviel Liebe, Herzblut und Zeit in sein eigenes Lebenswerk. Ich spreche für mich als Handwerker mit einem viel zu großen Herz, ein Herz was viel gibt - leider auch viel erwartet - und viel zu schnell gebrochen werden kann.

Ich liebe meinen Salon und ich bin zur Zeit der glücklichste Mensch, auch wenn ich in diesem Jahr meinen lieben Papa verloren habe, den ich sehr vermisse. Ich liebe die vielen langen Tage allein mit meinen eigenen Kunden im Salon zu stehen und glückliche Stunden zu verbringen. Ich bin sehr glücklich darüber, andere Menschen nicht mehr  delegieren und mit meiner "Ungerechtigkeit" enttäuschen zu müssen und auch keine Verantwortung mehr für deren Arbeitsplatz tragen zu müssen.
Ich liebe es für mich selbst zu arbeiten, denn jeder ist sein eigenes Glückes Schmied.

Vielleicht kurzfristig gedacht für unsere Friseurbranche oder auch für meine eigene Arbeitskraft, dennoch wurde mir in diesem letzten Jahr bewusst, wie befreiend es ist, ein EPS'ler zu sein...
und ich muss die großen TOP SALONS enttäuschen, wir EPS'ler sind keine möglichen Angestellten für euch, denn wir sind einfach anders drauf.

Ich wünsche auch allen Menschen, die mit mir in meinem Salon gearbeitet haben, von Herzen alles erdenklich Gute, denn tief in meinem Herzen habe ich euch alle immer noch sehr lieb.
"You win... or you learn." Ich habe viel gewonnen und auch viel gelernt.

Liebe Grüße,
Katrin


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